Single

Corona als Ausrede

Ich bin aktiv auf Tinder. War das schon immer und mein Eifer ließ auch während Corona nicht nach. Meine Kumpels machen sich immer über mein Tinderverhalten lustig. Manchmal sitzen wir zusammen und swipen gemeinsam durch den Fotostapel. Sie können gar nicht verstehen, warum ich manchmal nach links und manchmal nach rechts swipe. Ich bin nicht der typische Kerl mit einem festen „Beuteschema“ – ich will einfach Spaß und Abwechslung haben. Nur mit einer Sache tue ich mich schwer: Nein sagen. Ich war schon auf viel zu vielen Dates, die sich leider als Reinfall entpuppten. Und ich hatte fast immer schon im Voraus gespürt, dass es mit den Frauen nichts wird. Aber weil ich zu awkward bin, oder ein schlechtes Gewissen habe, oder was zur Hölle auch mit mir los ist, sage ich doch immer wieder zu, anstatt einfach abzusagen. Ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen, es zuzugeben: Durch Corona hatte ich jetzt eine perfekte Entschuldigung. „Tut mir leid, ich habe meinen Kopf im Moment ganz wo anders“, „Vielleicht ein anderes Mal“ – und die Sache verläuft sich. Zwei Dates hatte ich während der Ausgangssperren – und es waren mit die zwei besten Dates, die ich überhaupt hatte. Wir haben lange geschrieben, uns bei mir zu Hause getroffen und einen fantastischen Abend gehabt. Corona war (und ist immernoch) ein kleiner Indikator – ein kleiner Helfer – für mich: Sowohl die Qualität meiner Gespräche, als auch die meiner Dates hat sich verbessert. Ich habe mich in der Zeit aber auch besser kennengelernt und die Situation hat mir geholfen, dass ich mir ehrlich eingestehen kann, dass ich an mir arbeiten und meine Kommunikations-Skills verbessern muss.